Der Moselcamino

4 ETAPPEN EINES DEUTSCHEN JAKOBWEGS

Der Moselcamino hat insgesamt 8 Etappen und ist 179 Kilometer lang.

Er beginnt in Koblenz und endet in Trier.

Hier stelle ich 4 Etappen vor (ca. 100 km), von Alken bis Osann-Monzel.

Burg Eltz

Alken – Treis-Karden (23,5 km)

Eine wunderschöne, aber auch sehr anspruchsvolle Strecke mit vielen Höhenmetern: Hier hatte ich manchmal Probleme das Muschelsymbol des Caminos zu finden. Da der Weg nah am Moselsteig verläuft, bin ich große Teile des Moselsteigs gegangen. Das bedeutete aber ca. 3 km länger und steilere Abschnitte.

Es ging zuerst ein kleines Stück an der Mosel entlang und dann schon den Berg hinauf. Hier führte der Weg teils durch Wald, teils über Wiesen und Felder mit bunten Sommerblumen vorbei.

Nach ca. 7-8 km durchquerte ich den ruhigen Ort Lasserg, in dem ich das Gefühl hatte, als sei hier die Zeit stehen geblieben. Sogar ein alter Brunnen schien noch in Betrieb. Danach ging es den Berg wieder hinunter und ich machte meine erste große Rast an der Ringelsteiner Mühle. Hier war ein kleiner Bachlauf, in dem mein Hund und ich uns abgekühlt haben: nach dem langen Weg mit nackten Füßen durchs kühle Wasser – einfach herrlich!

Anschließend kamen wir an der Burg Eltz vorbei. Erst konnte ich sie über die große Burgmauer von Nahem betrachten, später noch einmal über einen Aussichtspunkt von der Ferne. Um die Burg herum, herrschte viel Trubel, aber kaum war ich in den Camino abgebogen, war ich auch wieder allein.

Es folgte nun das anstrengendste Stück meiner gesamten Reise. Ich war auf dem Moselsteig und stieg gefühlte endlose Stufen bis zu einem Aussichtspunkt über Treis-Karden hinauf. Wenn ich einmal gedacht habe, ich schaffe es nicht, dann hier. Oben angekommen warteten Helfer mit Wasser und Wein. Der Ausblick war grandios. Von hier aus musste ich nur noch den Berg hinab bis zum Moselort Treis-Karden.

„Wir müssen von Zeit zu Zeit eine Rast einlegen und warten, bis unsere Seelen uns wieder eingeholt haben.“

Treis-Karden – Bullay (29 km)

Ursprüngliche Natur und wunderbare Stille: Der Weg führte mich von Treis-Karden durch den Wald stetig bergauf und war gut zu gehen. Ich musste allerdings etwas aufpassen. Am Wegrand wuchs Riesenbärenklau (sehr schön, aber bei Berührung gefährlich).

Ein ganz besonderer Moment war, als ich aus dem Wald heraus trat und auf einer Blumenwiese stand. Ich hatte von hier aus einen traumhaften Ausblick und es war so unglaublich still und friedlich – einfach wunderschön!

Kurz darauf kam ich zum Kloster Maria Engelport inmitten einer ruhigen Naturidylle. Ich passierte Weiden, Obstbäume, einen liebevoll angelegten Kräutergarten und die hohen Klostermauern. Dahinter gelangte ich in eine Klamm mit kleinem Bachlauf.

Ab hier wurde es etwas abenteuerlich. Ich musste erst über einige umgestürzte Bäume klettern. Danach war der Weg durch hohe Gräser und Brombeeren zugewachsen. Nur ein schmaler Pfad führte weiter. Als ich diesen überwunden hatte, ging es durch einen sehr dichten Wald und der Weg war über viele Hunderte Meter von Wildschweinen aufgewühlt. Anschließend kam ich dann über einen kleinen Umweg über die Straße auf einen Abschnitt des Moselhöhenweges, der einst als Pfad der Kelten gedient hat.

Schon nach einer kurzen Weile hörte ich von der Mosel eine Blaskapelle und kurz darauf erblickte ich Beilstein wildromantisch am Fluss gelegen. Ich entschied dem Rat eines „Pilgerhelfers“ zu folgen und mit dem Schiff weiterzufahren. Eine gute Wahl. Ich konnte mein Gepäck am Schiffshäuschen lassen und mich vom Trubel in Beilstein treiben lassen: ein kleiner, schnuckeliger Weinort mit vielen Gaststätten und Sonnenterassen. Die Schifffahrt habe ich sehr genossen. Mit dem Hund gab es gar kein Problem und die Fahrt über die Moselschleifen war traumhaft. So erreichte ich zufrieden und entspannt Bullay.

Bullay – Traben-Trabach (23,5 km)

Hier hatte ich für die ersten Hälfte des Weges eine Alternativroute ausgewählt und bin statt an Zell vorbei und über den Bummkopf, auf der anderen Moselseite nach Reil und dort über die Brücke an Burg vorbei nach Enkirch gegangen.

Das hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt. Es war eine sehr schöne Strecke und gut zu laufen. Zu Beginn wanderte ich aufgrund der engen Moselschleife über einem schmalen Bergkamm und hatte so die Mosel zu beiden Seiten mit grandiosen Ausblicken.

Später lag eine kleine Kapelle auf meinem Weg, in der ich eine Bitte an Maria für meinen Weg schreiben und „meinen Stein“ auf den Altar legen konnte. Für mich ein berührender Moment.

Am frühen Mittag kam ich dann noch an einem Kneippbecken vorbei, perfekt für den heißen Tag. In Enkirch folgte ich kurz den Muscheln des Caminos. Ich entschied mich jedoch aufgrund der Hitze für einen kleinen Umweg, der durch den Wald führte, statt mit dem Hund durch die aufgeheizten Weinberge zu gehen (Dieser Waldweg begann an der katholischen Klosterkirche am Ortsausgang von Enkirch.)

Es ging stetig bergauf in Richtung Starkenburg. Oben angekommen warteten ein atemberaubendes Panorama sowie Wasser und Leckerlis für den Hund. Ich schaute mir die alte Burgruine an und machte mich dann auf den Weg den Berg hinab nach Traben- Trabach.

Der Pfad schlängelte sich dieses Mal in Serpentinen den Hang hinunter und war gut zu laufen. Kurz vor dem Ort passierte ich noch die Ruine Grevenburg. Dann wurde ich herzlich in der Pilgerherberge „alte Lateinschule“ aufgenommen und ruhte mich den Rest des Tages im Garten im Schatten eines Essigbaums aus.

 

Traben-Trabach – Osann-Monzel (17 km)

Erst durch den Wald, dann immer am Moselufer entlang: Der Camino führte mich wieder durch einen großen Wald den Berg hinauf. An diesem Morgen habe ich von der Landschaft nicht viel mitbekommen, da nun alles, was mich im vergangenen Jahr belastet hatte, hochkam und endlich losgelassen werden konnte.

Man sagt: Jeder weint einmal auf dem Camino. Ich weinte an diesem Morgen. Ich spürte Gott. Ich finde keine Worte, um dies zu beschreiben. Es war wundersam befreiend und berührend zugleich. Und auch wenn es sehr persönlich ist, gehört diese Geschichte für mich zu dem Weg mit dazu.

Ein Pilger (der Einzige übrigens, den ich getroffen habe) hat zu mir gesagt: „Ich bin kein gläubiger Mensch, aber was mir bisher auf dem Weg passiert ist, kann ich einfach nicht erklären…“

Erleichtert und etwas beflügelt erreichte ich Bernkastel-Kues und machte Rast am Moselufer. Anschließend ging es immer an der Mosel entlang.

Ansich war es ein schöner Weg, aber an einem heißen Ferientag weniger zum Pilgern geeignet. Es ging dauerhaft über Asphalt, unzählige Fahrradfahrer waren unterwegs und obwohl ich sehr früh gestartet war, heizte sich das Tal schnell auf. Ich beeilte mich um der Mittagshitze zu entfliehen und ging zügig nach Osann-Monzel. Ich suchte nach einem Alternativweg durch den Wald, landete aber in den heißen Weinbergen.

Im Ort angekommen, machte ich erst einmal Pause im Zimmer. Als ich abends eine kleine Runde mit dem Hund ging, stellte ich erschrocken fest, dass er humpelte: zu viel Teerwege und wahrscheinlich auch zu heiß. Der Arme! Ich entschied, unsere Pilgerreise zu beenden, mich um Carlos Pfoten zu kümmern und die letzten 18 km nicht mehr zu laufen. Der Weg hatte seinen Zweck längst erfüllt.

„Es kommt niemals ein Pilger nach Hause, ohne ein Vorurteil weniger und eine neue Idee mehr zu haben.“ (Thomas Morus)

Ich hoffe, mein Reisebericht hat dir geholfen und ich wünsche dir für deine Reise „Buen camino!“

Unten findest du noch eine Gepäckliste, eine Übersichtskarte und hilfreiche Links.

 

Hier geht es zu meinem Blogbeitrag:

Die Sprache der Stille – 5 Erkenntnisse vom Jakobsweg

MEINE GEPÄCKLISTE + HUND

  • Wanderschuhe + Ersatz-Turnschuhe
  • Top, Shirt (mit Ärmel, damit der Rucksack nicht reibt)
  • Sporthose (die schnell trocknet, keine Falten schlägt)
  • Kappe (Sonnen-/Regenschutz)
  • Regenjacke + Einweg-Regenponcho
  • 4 x Unterwäsche, 2 x Socken
  • Schlafshirt
  • 1 komplettes Outfit zum Wechseln + eine kurze Hose
  • Dinkelmüsli + Schale + Löffel
  • Fußbalsam Allgäuer Latschenkiefer
  • mind. 3 Liter Wasser
  • Taschentücher, Minipackung feuchtes Toilettenpapier
  • Mini-Apotheke (Pflaster, Desinfektion, Kokosöl, Salbe etc.)
  • Zahnbürste, Zahnpasta, Seife, Sonnencreme, Nagelschere
  • kleiner Block +Stift
  • Handy + Ladegerät
  • Portemonaie (nur das Nötigste drin gelassen)
  • Hund: Leine, Futter, Schale, Handtuch, Fliesdecke (für Übernachtung)

 

Übersichtskarte Moselcamino Alken – Osann-Monzel

* rote Linie = klassische Route, blaue Linie = Alternativstrecke

 

Hilfreiche Seiten:

http://www.fernwege.de/d/jakobsweg/mosel/

http://www.mosel-camino.info/

http://www.mosel-camino.de/

 

Und hier geht´s zu meinem Blog Sternschnuppenzeit

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